Goodbye MRA

2 Jahre Generalsekretär beim österreichischen Dachverband der Zauberkunst.

Der Magische Ring Austria ist der Dachverband zu dem beinahe alle Zauberklubs in Österreich zählen. Er ist das Bindeglied zwischen den Österreichischen Klubs und dem weltweitem Dachverband der FISM, war bis jetzt verantwortlich für die offiziellen Wettbewerbe in Österreich und bringt auch zum Beispiel die Fachzeitschrift Aladin raus. Darüber hinaus hat er so einiges an Aufgaben wenn es über klubübergreifende Ideen, Projekte, oder auch Maßnahmen geht.

Es waren zwei wirklich spannende Jahre. Und ich denke so einiges konnte bewegt werden. Nur sind wir an einem Punkt angekommen wo sich unsere Ideen, Vorstellungen und Ziele deutlich unterscheiden. Und wenn klar wird, dass man in wichtigen Fragen auf keinen gemeinsamen Nenner mehr kommt ist es besser zu gehen. Denn das ist das einzige was eine gegenseitige Blockade aufheben kann. Nur so bewegt sich irgendetwas. Denn das schlimmste ist es immer, wenn sich überhaupt nichts mehr bewegt. Aus diesem Grund werde ich von meiner Funktion bei der nächsten Generalverammlung zurücktreten.

Ich möchte mich bei Hanno Rhombertg, Samuel Sonntagbauer, Ferdinand Lepschi, Thomas Winkler und natürlich auch Jürgen Peter für die Zusammenarbeit bedanken. Es ist schließlich nicht so, dass hier gar nichts weitergegangen wäre. Ganz im Gegenteil! Weiters wünsche ich Catherine Hering, die nun in den MRA einsteigen wird, viel Erfolg und hoffe, dass sie hier auch eine starke Stimme für die jungen sein wird.

Ich möchte diesen Beitrag nutzen um ein wenig die letzten zwei Jahre zusammenzufassen. Was waren die Ziele? Was ist gelungen und was weniger? Und vor allem, wie wird oder kann die Zukunft aussehen?

Wie ich 2016 gefragt worden bin, ob ich hier eine Aufgabe übernehmen möchte habe ich eine Zeit lang überlegt. Die Fragen die ich mir gestellt habe war: “Was könnte ich hier positives verwirklichen? Was braucht die Zauberszene gerade am notwendigsten? Und was bringe ich mit um hier was weiter zu bringen?

Meine Motivation mitzumachen war vor allem eine – möglichst viel für potenzielle junge Nachwuchskünstler zu tun. Sieht man sich in einigen Klubs um, ist das Problem richtig spürbar. Es wird vor allem von der Vergangenheit erzählt und wie schön es früher war. Kaum aber was in Zukunft noch so anstehen wird. Der Grund dafür ist einfach, es ist das Durchschnittsalter. Bei dem mit vorliegenden Datenmaterial steigt dieses im MRA 2019 auf über 57 Jahre. Dabei bewegt es sich in schnellen Schritten auf die 60 zu. Schaut man sich ein wenig um ist dies kein reines Phänomen der Zauberszene, auch in vielen anderen Vereinen fehlt es an Nachwuchs. Die Zeiten haben sich wie es scheint geändert.

Zauberklubs erfüllen aus meiner Sicht viele wichtige Funktionen für die Zauberkunst. Hier wird Wissen gesammelt, archiviert und strukturiert. Sie sind die Schmiede für zukünftige Talente. Sie bringen Zauberkunst an die Öffentlichkeit und erhalten sie auf einem möglichst hohem Level am Leben. Dabei braucht es mehr als “nur” gute Künstler in den verschiedenen Disziplinen. Organisationstalente, Archivare, Schreiber, Netzwerker, Sprecher nach außen,… und so weiter. Sie alle erfüllen einen wichtigen Job und sind ein kleines aber wichtige Rädchen im großen Uhrwerk. Aber eines wird dabei klar. Ein Uhrwerk kann man nur zum laufen bringen, wenn es ausreichend Rädchen gibt.

Nun stellt sich die Frage, gibt es überhaupt genug junge Interessierte? Und hier kommen wir zum ersten mal zu einer positiven Antwort. Ja! Mehr als Du glaubst! Seit mehr als einem halben Jahrzehnt sehe ich junge Hobby-Zauberer bei mir jede Woche im Geschäft ein- und ausspazieren. Und so einige konnte ich bereits in ganz Österreich an Klubs vermitteln. Allerdings stehen die Vermittlungen noch in keiner Relation zu dem was es braucht, beziehungsweise dem was es an Potenzial gibt. Denn es sind wesentlich mehr, als die, die sich neue Spielkarten bei mir holen. Ein Blick ins Web an die richtige Stelle offenbart das Ausmaß. Kanäle im deutschsprachigen Raum die alleine mit rund 200.000 Menschen vernetzt sind gehören bereits zur Normalität. Und selbst wenn 90% nur so drauf geklickt haben und sich gar nicht so besonders dafür interessieren bleibt es immer noch ein Vielfaches von dem, was der MRA, der MRS und der MZVD gemeinsam haben (selbst bei einer sicherlich vorhandenen Überschneidung der beiden Gruppen).

Aber sind die restlichen denn hier wirklich potenzieller Nachwuchs, oder doch mehr reine Webclips Konsumenten? Nun, die Frage hat sich auch bereits von selbst beantwortet. Hat es mit kleinen Treffen begonnen gehen so manche junge Youtuber längst auf Tour. Erst im Oktober machten sie dabei Halt in Wien und waren ausverkauft. Es war übrigens die ganze Tour innerhalb einer Nacht ausverkauft. Und wir sprechen hier von 6 Städten in Deutschland, Wien und Zürich. Viele weitere wollten noch kommen und landeten auf der Werteliste. Die Veranstaltungen waren voll mit jungen Nachwuchszauberern von denen viele wahrscheinlich nicht einmal wissen, dass es so etwas wie einen Klub gibt. Uns selbst wenn ist es fraglich wie attraktiv ein Klub auf sie wirken würde.

Nun gibt es in Österreich, so wie natürlich auch im restlichen deutschsprachigen Raum, einige Einzelinitiativen  von Zaubervereinen die sich um Nachwuchs bemühen. Nur wenn man verhindern möchte, dass die entstandene Parallelszene weiter wegtriftet, wird dies nur gemeinsam und klubübgergreifend möglich sein. Und genau hier kommt der MRA ins Spiel. Denn das ist genau die Institution die dafür geeignet wäre.

Wenn Du das Gefühl hast, dass hier die letzten Jahre nicht besonders viel passiert ist, nun das stimmt bedingt. Man muss hier aus meiner Sicht zwei Faktoren sehen. Einerseits ist die Entwicklung, auch wenn sie von einigen bereits vorhergesehen wurde, vollkommen neuartig und in der nicht ganz 40 jährigen Geschichte des MRA gab es hier nie die Notwendigkeit für Instrumente um gegensteuern zu können. Man darf nicht vergessen, es gibt in den Klubs noch immer viele Mitglieder die aus einer Zeit kommen wo es richtig schwer und teuer war an Tricks und Geheimnisse ran zu kommen. Das genaue Gegenteil von heute! Dazu kommt, dass die Veränderungen die die Zeit mit sich brachte, auch Probleme an ganz anderen Fronten verursacht haben. Die Zauberkongresse, für manche der heilige Kral der Zauberszene, wurden immer schwieriger umzusetzen. Weniger Besucher, schwierigere finanzielle Situationen und daraus resultierend immer weniger Klubs die überhaupt einen organisieren wollten erzeugten in Österreich  eine Spirale nach unten. Lag das auch daran, dass man sich davor noch immer wieder gegenseitig übertrumpfen wollten, aber eben nicht ausschließlich daran. Hier wurde viel Energie und Ressourcen reingesteckt um genau diese Kongresse  wieder zu retten. Und Ressourcen, sei es Geld, Arbeitskraft, oder was auch immer, sind nun mal begrenzt. Aber dazu später ein wenig mehr.

Was hatte ich nun für Ideen? Und was davon konnte umgesetzt werden? Das erste was ich mir angesehen habe war der Webauftritt. Der Grund dafür war hier sehr nahe liegend. Möchte man junge Menschen erreichen, muss man auch deren Medien bedienen. Das Hauptmedium des MRA ist immer noch der Aladin, eine gedruckte Zeitschrift. Wurde diese mittlerweile zwar von Hanno Rhomberg auf ein Spitzen-Niveau gehoben worden, bleibt es trotzdem ein Medium, das wie jedes andere seine ganz eigene spezielle Zielgruppe hat. Ebenso wie es nun mal Aladin Leser gibt, die wohl noch nie was mit Instagram zu tun hatten ;-). Der Aufwand hierfür ist ziemlich groß. Und auch was die Kosten angeht ist es ein Medium, dass viel Aufwand benötigt um profitabel zu bleiben. Zum Vergleich – der Linking Ring, die Zeitschrift des IBM, wurde von vielen Mitliedern bereits auf PDF, beziehungsweise Ebook umgestellt.  Da dieses Angebot für viele die praktischere Alternative ist und dem IBM jährlich nun eine wirkliche große Summer erspart hat sich so eine Win/Win Situation ergeben. Und die gewonnen Ressourcen können in ganz anderen Bereichen eingesetzt werden. Zum Beispiel auch in der Förderung der Jugend, worauf ich später noch einmal eingehe.

Nun ist es mir gelungen, vieles grundlegendes am Webauftritt zu verändern. Die MRA Webseite und die Webseite des Aladin laufen mittlerweile unter eigenen Domains. Trotzdem liegen sie in einem Multisite-System zusammen. Das bedeutet weniger Wartungsaufwand und gleichzeitig können auch Beiträge zwischen den Seiten ausgetauscht werden. Dazu gibt es ein neues Newsletter-System, eine neue Facebookseite und einen eigenen Youtube-Kanal. In etwas mehr als 100 Stunden Arbeit ist hier die Basis entstanden, die in den richtigen Händen in Zukunft nicht nur Informationen nach außen transportieren kann, sondern auch Ort des Dialoges nach außen ist.

Dazu kam ein neues Konzept des Jugendworkshops, das zumindest einmalig von mir umgesetzt werden konnte. Die Kernidee – durch einen kleinen Zusatzevent einen Workshop zu organisieren, der maximal 100,- Euro für die Teilnehmer kostet und das MRA Budget trotzdem nicht überdurchschnittlich belastet. Das brachte gleich zwei große Vorteile mit sich.  Einerseits gab es wieder einen Event mehr, der mit 20,- Euro Eintritt günstig und von seiner Idee – nämlich sich für die Förderung der Jugendlichen zu treffen – auch ein wunderbares Signal nach außen war. Bei der vom Vorstand gemeinsam gespielten Show waren ca. 70 Personen anwesend. Letztendlich also eines der größten Treffen in Österreich in den letzten Jahren. Gleichzeitig bietete der günstige Preis die Mpöglichkeit neue jungen Menschen zu erreiche, die man sonst nicht damit angesprochen hätte.

Mein Vision dabei war und ist eine recht einfache. Wenn ein paar so etwas umsetzen können, kann das auch jeder gute Klub. Was gäbe es schöneres, wie wenn plötzlich Klubs beginnen würden mehr Shows zu spielen und dann noch mit dem eingenommenen Geld günstige Workshops für Jugendliche und junge Erwachsenen zu organisieren! Und 100,- Euro sehe ich dabei nicht als Richtwert, sondern tatsächlich als maximale oberste Grenze. Ich bin überzeugt, mit dem richtigen Engagement bekommt man das auch günstiger, oder sogar kostenlos für die Teilnehmer hin. Und je mehr einzelne Projekte und Initiativen hier in den Klubs entstehen würden, umso mehr Erfahrung gäbe es. Bei einem gut funktionierenden Austausch untereinander  könnten hier Veranstaltungen wachsen die wie ein Staubsauger die Kids wieder in die Klubs ziehen würden. Denn wir haben in Österreich mehr als genug gute Voraussetzungen dafür. Tolle Räumlichkeiten, nahe Distanzen und vor allem großartige Zauberkünstler die in der Vergangenheit hier als Workshopleiter mitgemacht haben und das auch mit Sicherheit in der Zukunft tun würden.

Und wenn Du jetzt denkst: “Kostenlos,.. wie soll das denn gehen?“. Nun, wo ein Wille da ein Weg. Letztendlich ist es die wichtigste Investition, die wir als Zauberszene tätigen können. Und es ist auch nicht so, als ob es das nirgendwo geben würde. Das Lance Borton Teen Seminar wird auch 2019 wieder stattfinden. Es existiert bereits seit 2003! Möglich machen tut dies unter anderem Jeff McBride und Dr. Lawrence Hass, die Gründer der Magic & Mystery School in Las Vegas. Für alle von 13 bis 19 Jahre gilt dort das Motto – It’s absolutely free! Und warum soll so etwas bei uns nicht auch gehen? Ich halte mich hier ganz an die Worte von Walt Disney: “If you can dream it, you can do it“. Und wenn man sich ansieht, welcher Betrag hier insgesamt von den Kids bei den Jugendworkshops eingezahlt wird, also den Betrag den man zusätzlich irgendwie aufstellen müsste, merkt man, so unmöglich wäre dies eigentlich gar nicht.

Ich glaube, Du erkennst schon welches Vision ich von der Zauberszene der Zukunft im Kopf habe. Offener, flexibler und kommunikativer nach außen. So schön Kongresse mal früher gewesen sein mögen handelt es sich dabei um schwerfällige und für die Teilnehmer oft recht teure Events. Wenn so ein Wochenende mit Eintritt, Übernachtung und Fahrtkosten ein paar hundert Euro kostet wird man wohl nicht potenziellen jungen Nachwuchs dort finden. Gleichzeitig habe ich hier auch die Angst, das die Organisation so viel Ressourcen verschlingt, dass kaum Zeit bleibt um sich um andere Schnittstellen zu kümmern.

Nur um mich nicht falsch zu verstehen, ich finde Zaubertreffen etwas großartiges! Aber wäre es nicht fantastische zum Beispiel einen Wettbewerb zu einem eigenständigen Event empor zu heben? Eine Wettbewerb der wieder jährlich stattfindet. Der offen für alle ist und mit günstigen Eintrittspreis auch junge Menschen anzieht. Eine Veranstaltung, bei der nicht einfach einer nach dem anderen seine Nummer zeigt und danach bewertet wird. Sondern eine Show, mit Gesamtkonzept, die einen vom Anfang bis zum Ende fesselt. Ein Wettbewerb der in der Öffentlichkeit wahrgenommen und über den berichtet wird.

Und auch andere Teile so eines Kongresses wie die Gala, die Seminare, oder die Händlermesse hätten ausreichend Potenzial für eigenständige schlanke und kostengünstige Events. Stell Dir mal vor, es würde plötzlich fünf, zehn, oder mehr Veranstaltungen in Österreich geben. Jedes Jahr! Und jede um einen Eintrittspreis von etwa 30,- Euro! Wäre das nicht eine mehr als spannende Idee? Und das tolle an der Sache, wir können jederzeit damit beginnen! Beispiele in den Nachbarländern und der restlichen Welt würde es genug geben.

Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt. Auch wenn meine Arbeit beim MRA in Kürze beendet wird, habe ich trotzdem vor weiterhin einen kleinen, bescheidenen Beitrag an der Entwicklung der Zauberszene zu leisten. Und sei es nur mit Ideen wie zum Beispiel diesem Blog ;-).

Ich wünsche meinen Nachfolger, oder meiner Nachfolgerin viel Erfolg und dem MRA ein schönes Zauberfestival in Bad Aussee.

In diesem Sinne, goodbey MRA!

Please follow and like us:

3 Gedanken zu „Goodbye MRA

  • 16.11.2018 um 09:51
    Permalink

    Herzlichen Dank für deine Mitarbeit im Vorstand des Magischen Ring Austria. Es war immer spannend zu diskutieren und an Ideen zu. arbeiten. Dein Input war für alle wichtig.
    Wenn es manchmal nicht eine Meinung gab, ist das völlig normal, nur aus unterschiedlichen Positionen ergeben sich interessante Projekte.
    Die Forderung nach Leistungen zum 0-Tarif teile ich nicht, denn sie geht auf Kosten von Menschen die Ihre Lebenszeit, ihre Energie für solche Projekte opfern. Es ist fair, dass auch Jugendliche, die für Handys, Ausgehen etc. Geld ausgeben, dies in einem bescheidenen Maß auch entlohnen.

    Ich bin stolz dass die Mitgliedsbeiträge des MRA, die Zauberzeitung ALADIN, der ausverkaufte Jugendworkshop 2019 und auch das im Jahr 2019 stattfindende MRA Festival in Bad Aussee international im Vergleich mit Abstand die günstigsten Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum sind.
    Dass dies so möglich ist, ist nur durch die engagierte Mitarbeit von einigen wenigen Enthusiasten möglich, zu denen auch du gehörst.
    Dafür meinen herzlichen Dank im Namen des ganzen MRA Vorstands
    Hanno

    Antwort
    • 16.11.2018 um 10:06
      Permalink

      Ja, so manches sehen wir grundsätzlich anders 😉

      Aber ich denke wir haben trotzdem gemeinsam so einiges bewegt und bin sicher wir werden dies auch in Zukunft tun. Wenn auch auf unterschiedliche, individuelle Art uns Weise. Und gleichzeitig bin ich auch sehr überzeugt davon, dass es in Zukunft auch noch so einige Kooperationen geben wird. Denn eines verbindet uns schließlich weiterhin, die Liebe zur magischen Unterhaltung 🙂

      Antwort
  • Pingback:Magic connects People – Trickbox – Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

WhatsApp chat