Haben sie irgendetwas Neues?

Das ist wohl einer der meist gehörten Fragen, wenn jemand in das Zaubergeschäft kommt. Der Zaubermarkt liefert auch regelmäßig und auf unzähligen Trailern werden die neuesten unglaublichsten Wunder vorgestellt.

Aber wie Sinnvoll ist es eigentlich, immer nach dem Neuesten zu suchen? Und wie weit bekommt man eigentlich wirklich etwas neues? Tatsächlich sind viele Ideen wesentlich älter als man im ersten Moment annehmen würde. Als ich für mein Seminar “Inspiration” durch alte Bücher aus dem 19ten Jahrhundert geblättert habe war ich überrascht, wie alt so manche Ideen bereits sind. So ist zum Beispiel schon damals ein Vorläufer des Malbuchs beschrieben. Zu dieser Zeit noch ein Buch mit schönen Ledereinband und das Kunststück eine scheinbare Hypnose, nach der die Zuseher über unterschiedlichste Dinge berichteten die sie im Buch gelesen hatten. Von Vorgängern der Fantastic Coins bis zum Comedy-Trichter finden sich viele Ideen, wie sie heute noch in den Zaubershops zu haben sind. Teilweise erstaunlich originelle Variationen, bei denen es schade ist, das sie in Vergessenheit gerieten. 

So wurde der Trichter zu damaliger Zeit nicht dazu verwendet Flüssigkeit in einer Comedy-Routine erscheinen zu lassen. Er war in Wahrheit gar nicht durchgängig, wodurch man oben Flüssigkeit reinschütten und durch Freigabe des Luftlochs untern andere rauskommen lassen konnte. Eine unheimlich effektive Wasser zu Wein Variante! 😉

Und ein großer Anteil an neuen Produkten sind in Wahrheit nichts anderes als alte Ideen im neuen Gewand. Das ist allerdings nicht grundsätzlich was Schlechtes! Bessere Materialien, neue Präsentationsideen, verbesserte Beschreibungen, Ergänzungen… etc. sind alles gute Gründe ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Aber bei der Menge an Produkten, die jede Woche in den Newslettern der Shops landen kommt schnell ein Verdacht auf – machen die wirklich alles Sinn?

Natürlich nicht. Zumindest nicht für jeden. Und das ist der springende Punkt! Immer wenn ich etwas neues sehe denke ich darüber nach, ob es eine Zielgruppe dafür gibt, die davon etwas hat und ob der Preis dafür gerechtfertigt ist. Und immer wieder gibt es neue Produkte die hier durchfallen. Sei es weil in der Beschreibung nicht ganz die Wahrheit gesagt wurde, der Preis im Vergleich zu anderen Alternativen überzogen ist, oder weil sie einfach nicht funktionieren. Vor ein paar Jahren zum Beispiel kam zum Beispiel eine neue Hofzinser Karte von Nahuel Olivera auf den Markt. Die Idee dabei ist, dass man die Karte, mit der Rückseite zum Publikum, vor eine Lichtquelle halten kann und ein Kartenwert durchschimmert. Dreht man die Karte um handelt es sich aber tatsächlich um einen vollkommen anderen Kartenwert. Als Wiener Zauberladen bin ich natürlich an Hofzinser-Ideen interessiert und habe mir zwei zum testen mitbestellt. Ob mit Schreibtischlampe, Leuchtstoffröhre, Taschenlampe, oder auch Kerzenlicht, immer hatte ich das gleiche Ergebnis. Wurde die Karte zu weit weg gehalten schimmert gar nichts durch, zu nahe ran gehalten beide Kartenwerte. Vollkommen unbrauchbar.

Nun, vielleicht nimmst Du an, dass solche Produkte von selber vom Markt verschwinden. Leider nicht. Die Karte zum Beispiel ist bis heute in vielen bekannten Shops erhältlich. Genauso wie  so einige andere Tricks, die man bestenfalls als Deko in die Zaubervitrine stellen kann. Nun kann man sagen, dass bei den zigtausenden Produkten am Markt nun halt auch mal Schmarren dabei ist. Aber die Frage die sich stellt ist, wie genau sind haben die es eigentlich dahin geschafft?

Um das zu verstehen, muss man sich den Weg eines neuen Tricks ansehen. Alles beginnt irgendwo auf der Welt mit einer Idee. Häufig auch einfach nur eins zu eins aus einem alten Buch übernommen. Dann wird gebastelt, ein cooles Demovideo gemacht, eine Produktbeschreibung erstellt und eine Anleitung online gestellt. Fertig ist das Produkt. Danach muss man es nur noch schaffen es an einen der bekannten Großhändler zu verkaufen. Und das ist nicht übermäßig schwer. Denn hier geht es in erster Linie nicht darum die bestmöglichen Produkte auf den Markt zu bringen, sondern die bestverkäuflichen. Tatsächliches Qualitätsmanagement findet nur in einem begrenzten Ausmaß statt. So schlüpfen immer wieder schlechte Produkte durch, oder es sind zum Beispiel einfach auch nur die ersten Stück gut produziert.  

Die nächste Station – der Händler. Die Zeiten allerdings, wo Händler sich jedes neue Produkt genau angesehen haben sind lange vorbei. Oder hast Du schon mal einen Webshop gesehen, der damit wirbt die beste Qualität zu haben? Das Motto lautet das Meiste, das Neueste, am billigsten, am schnellsten geliefert. Und je Neuer, umso besser. Warum ich mir hier so sicher bin, dass viele Produkte nie angesehen wurden? Weil sie häufig angeboten werden noch bevor es sie wirklich am Markt gibt. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich in so manch Newslettern Tricks sehe, die es eigentlich nur zum vorbestellen gibt. Ohne, dass sie jemals vom Anbieter auch nur überflogen werden konnten, werden sie als das Neueste und Beste angepriesen, was der Markt zu bieten hat. Und so geschieht es immer wieder, dass irgendwo auf der Welt Pipedreams zusammengebastelt werden, die dann ihren Weg bis ins Wohnzimmer finden, ohne dass jemals jemand ernsthaft darauf geschaut hat, ob es sich dabei um was sinnvolles handelt. 

Und so fällt es mir immer wieder aufs neue schwer die richtige Antwort auf die Frage, was es denn neues gäbe, zu finden. So einiges. Und immer wieder sogar richtig coole Dinge. Aber vor allem gibt es vieles altes. Tausende gute Tricks und Gimmicks die verfügbar sind. Mehr als was ein Mensch jemals in seinen Leben sehen kann. Unabhängig wie alt oder neu etwas am Markt ist, entdecke ich laufend Dinge, die ich so vorher noch nicht kannte. 

Für mich sind es drei Dinge, die Zauberei zu einer wunderbaren Kunstform machen. Die Suche nach Ideen, die nicht bei den neuesten Tricks sondern schon Jahrzehnte, oder gar Jahrhunderte früher beginnen kann. Der kreative Prozess, der aus den Ideen kleine oder große Darbietungen werden lässt und die dazugehörigen Proben. Und letztendlich dann natürlich das, worum es eigentlich geht, die Präsentation vor Publikum. In meinen vielen Gesprächen mit unterschiedlichsten Kollegen fiel mir eines auf – je besser die Darbietung, desto Größer war häufig die Suche, beziehungsweise der Prozess danach. Möglicherweise hat die Suche mit der Frage nach dem Neuesten begonnen. Häufig waren es aber auch ganz andere Fragen, die am Anfang gestellt wurden um eine neue Darbietung entstehen zu lassen…

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