Inspiration – Kartenfinden mit Fingerring

Wie diese Woche bereits angekündigt, möchte ich mit meiner neuen Serie Inspiration starten, in der ich Kunststücke von früher ein wenig unter die Lupe nehme. Da gerade Karten zu den beliebtesten Requisiten gehören, möchte ich auch gleich mit einem Kartentrick beginnen, damit möglichst viele auf den Geschmack kommen ;-). Ich hatte dieses Kunststück 2015 auch in meinem Seminar und eine Beschreibung von meiner Methode findet sich im dazugehörigen Seminarheft. In Boscos Buch Zauberkünste aus dem 19ten Jahrhundert trägt die Routine den Namen Eine willkürliche gezogene und wieder eingemischte Karte durch einen Fingerring anzuzeigen und wird folgt beschrieben:

Der Künstler überlässt den Zuschauern ein Spiel Karten, es zu mischen und ein beliebiges Blatt daraus zu ziehen und zu merken, worauf er das übrige Spiel zurücknimmt. Das von der Gesellschaft gewählte Blatt lässt er, ohne es zu besehen, auf das Spiel legen, und mischt die Karten durcheinander, worauf er den Haufen vor sich hinlegt.

Nunmehr setzt er ein leeres Bierglas vor sich offen auf den Tisch und zeigt der Gesellschaft einen metallenen Fingerring, den er an einem Faden in das Glas hinab hängen lässt. Nach wenigen Augenblicken sieht man, wie dieser Ring sich allmählich hin und her bewegt, und in zunehmend größeren pendelartigen Bewegungen zu beiden Seiten in dem inneren Raume des Glases anschlägt, und alsdann nach einer gewissen Anzahl dieser Pendelschläge wieder in Ruhe kommt. Der Künstler bittet die Zuschauer aufmerksam zu zählen, und nach dem letzten Schlag zieht er den Ring aus dem Glase heraus, und zählt hierauf von dem Kartenhaufen so viele Blätter von unten ab, als die vernommenen Schläge des Ringes in dem Glase bestimmen, wo dann die Zuschauer in dem ihnen überreichten Blatte das von ihnen vorher gewählte Blatt finden werden.

Ist das nicht eine wunderschöne Methode, eine gezogene Karte wiederzufinden? Es hat etwas mystisches und vor allem wird zusätzlich noch Sound mit eingebunden. Etwas, das in der Zauberkunst, wo es ja meist um Visuelles geht, oft eine Bereicherung ist. Und natürlich bietet es sich hier an einen Fingerring eines Zusehers, beziehungsweise einer Zuseherin zu nehmen. Dadurch bekommt das ganze schnell noch eine gewisse emotionale Note. Nimmt man nun noch statt dem Bierglas eine schönes Rotweinglas, bekommt man auch noch einen richtig guten Sound!

Boscos Umsetzung war dabei ganz schön aufwendig. Die gewählte Karte wurde nach oben kontrolliert, heimlich in den Ärmel gesteckt um die oberste und unterste Karte des Spiel herzuzeigen,… und so weiter. Wenn Du dich schon länger mit Kartenzauberei beschäftigst, wirst Du vielleicht schon die ein- oder andere Methode im Kopf haben, wie so eine Routine umzusetzen ist.

Hier ein paar Ideen von mir dazu. Beginnend mit ein paar Gimmicks. Ein Stripper-Deck kann hier das Leben natürlich leichter machen. Die Karten können vorher vom Zuseher gemischt werden, er kann frei eine rausnehmen und selber wieder reinmischen. Trotzdem ist es damit ein Leichtes sie an eine bestimmte Position zu bringen. Aber auch ein halbes Forcierspiel wäre eine spannende Variante. Die Hälfte der regulären Karten unten, dann die 26 Forcierkarten und die andere Hälfte der regulären Karten oben. So könne man es problemlos oben und unten als “normales” Spiel vorzeigen. Der Zuseher kann danach abheben, sich die Karten merken zu der er abgehoben hat und den Abhebevorgang danach wiederholen. Man hätte danach eine größere Anzahl an verschiedenen Positionen die auf alles Fälle passen. Ein Schlag mit dem Ring zu viel, oder zu wenig wäre also kein Problem ;-).

Spannend ist natürlich auch, ob es nicht möglich ist einen ausgeborgten Ring auf ein Band zu knoten, dem Zuseher alles in die Hand zu geben und ein Glas hinzustellen. Ähnlich wie beim klassischen Pendel könnte man ihn nun Anweisungen geben, so dass sich die Schnurr zu schwingen beginnt, bis der Ring mehrmals an das Glas angestoßen ist. Die Anzahl Schläge wird man wohl hier nicht so gut steuern können. Aber mit zum Beispiel einen Svengali Spiel wäre das Kunststück trotzdem umsetzbar. Auch ein Austausch der Karte, sei es manipulativ, oder über ein Gimmick, könnte hier eine Möglichkeit sein.

In meinem Seminar habe ich mich für eine Methode mit einem normalen Kartenspiel entschieden, das ich mir auch ausborgen könnte. Wenn Du eine Fingerring/Band Routine mit im Programm hast, könnte das eine spannende Erweiterung davor, oder danach sein. Meine Herangehensweise war, die Karte über eine Mathematische Methode bei der Auswahl an eine mir bekannte Stelle zu bringen und danach an 7te stelle von oben umzumischen. Gerade hier gibt es allerdings viele Wege, die nach Rom führen ;-).

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr Einfälle kommen mir dazu. Geht man ein wenig von den klassischen Spielkarten weg, entstehen schnell Ideen zu ganz neuen Plots. Von Bierdeckeln, über Visitenkarten bis zu Postkarten,… hast Du auch schon eine Idee für eine Geschichte? Oder eine Anregung für eine Methode? Wenn ich Dich zu etwas inspirieren konnte, vielleicht lässt Du ja ein kurzer Kommentar für die anderen hier :-).

Wer übrigens mehr zu meiner Umsetzung wissen möchte, im Geschäft erzähle ich gerne mehr darüber ;-).

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