Svengali

Trilby ist ein sehr erfolgreicher und mehrfach verfilmter Roman des englischen Schriftstellers George du Maurier von 1894. In diesem Roman wird ein vollkommen unmusikalisches Mädchen durch Hypnose vom dämonischen musikalischen Genie Svengali zu einer wunderbaren Sängerin gemacht. Svengali, das ist auch zum Beispiel der Name der Show von Derren Brown. Eine Show, bei der auch er seine manipulativen Fähigkeiten unter beweis stellt. Ob Derren, der ja selbst ein sehr guter Kartenzauberer ist, sich auch vom Namen des Trickspiel beeinflussen hat lassen, wer weiß. Möglicherweise hat ja auch er damit begonnen.

Mit den Svengali-Spiel haben viel ihre ersten Schritte in die Zauberei gemacht. So war das auch bei mir. Ist es doch eines der praktikabelsten Trickspiele mit dem unzählige verschiedene Routinen möglich sind. Das hat man schon sehr früh erkannt! Die Ursprünge des Spiels liegen dementsprechend auch weit zurück. Die ersten Ideen dazu finden sich bereits in “The Discoverie of Witchcraft” (Reginald Scot, 1584), das als erstes Zauberbuch der Welt gilt. Kaum vorzustellen wie viele Hobby- und auch Berufszauberer in mehr als 400 Jahren mit dieser Idee die Menschen verblüfft haben!

Das Svengali Spiel in seiner heutigen Form wird taucht zum ersten mal 1909, beworben von Burling Hull, in der Zauberzeitung The Sphinx auf. Dann zwei Jahre später in seinem Buch Sealed Mysteries. Damals hatte es den Namen Cards Mysterious.

1910 erscheint es allerdings auch in Ellis Stanyon Buch New Card Tricks, 4th Series. Genauer gesagt wurde dort The “Fin de Siecle” Magic Pack of Cards beschrieben. Es handelte sich dabei um verschiedene Varianten von Spielen, die das Lang-Kurz-Pronzip verwendeten. Das dritte Arrangement beschrieb dabei genau das heutige Svengali Spiel.

Der erste der das Spiel unter dem Namen Svengali verkauft hat war W.D. LeRoy. In Europa wurde es aber auch unter dem Namen Radio Deck, bzw. Long-Short Deck bekannt. Den Name Long-Short Deck liest man auch heute noch recht häufig. Dazu kamen unzählige Variationen raus. Die klassische ist aber bis heute mit Abstand die beliebteste.

Das Svengali Spiel gehört eigentlich zu der Kategorie Forcierspiel. Es ist ein perfektes Tool um einem Zuseher eine bestimmte Karte heimlich unterzujubeln, obwohl er überzeugt davon ist eine freie Wahl getroffen zu haben. Und das obwohl man es abheben, mischen, oder auch komplett vorzeigen kann. Und alleine die Möglichkeiten, die sich aus einer wunderbar sauberen Force ergeben, sind unzählbar. Heute noch sind am Markt kleine Skripten erhältlich, die mehr als 100 Ideen für das Spiel beinhalten.

Aber die Möglichkeiten des Spieles gehen weit über die reine Forcierung einer Karte hinaus. Ehrgeizige Karte, ACAAN, Platzwechsel und vieles mehr sind damit realisierbar. Findet sowohl der Einsteiger schnell Anwendungen dafür, ergeben sich für Fortgeschrittene und Profis bei etwas erweiteter Handhabung Möglichkeiten für wahre Wunder. Vor ein paar Jahren hatte ich Wolfgang Moser mit seinem Seminar in der Trickbox. Es war unglaublich zu sehen, was Zauberkünstler wie er mit einem Svengalispiel aufführen können. Die Spiele gingen an diesem Abend weg wie die warmen Semmeln. Vor zwei Jahren war ich Gast bei einem Seminar mit Alexander De Cova. Die Teilnehmer staunten nicht schlecht bei der Erklärung eines Kartentricks, als plötzlich jedem klar wurde, dass er ein Svengali Spiel in der Hand hatte. Auch er wich von der klassischen Handhabung ab und erzeugte ein Wunder.

Aber auch weit über die Grenzen hinaus landet das Spiel immer noch im Repertoire unterschiedlichster Künstler. Bei seiner Live Lecture 2018 hatte Mr. Pearl gleich zwei Kunststücke damit im Programm. Schon länger ist seine DVD am Markt erhältlich, in der er sich ganz diesem Thema widmet.

All dies führte dazu, dass das Svengali Spiel Millionenfach auf der Welt verkauft wurde. Ich habe meine Routine mittlerweile hunderte Male in der Trickbox vorgeführt. Und immer wieder komme ich auf neue Sachen darauf, die ich daran noch erweitern kann. Und ich freue mich jedes mal, wenn mir jemand von seinen Erfolgen damit erzählt, nachdem er es bei mir gekauft hat. Ist es seit über 100 Jahren bereits ein Bestseller, ist seine Geschichte noch lange nicht zu Ende. Ich bin schon gespannt, welche Ideen hier noch entstehen werden 🙂 .

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