Vom Zauberer zum Zivildiener und zurück

Für 3 Monate wechselte ich den Zauberstab gegen Latexhandschuhe und Gesichtsmaske. Jetzt, wo die Trickbox wieder zum Leben erwacht bleiben viele Eindrücke, die mich begleiten.

Wie für viele andere war es ein Schlag im März. Auch das kleine Zaubergeschäft war selbstverständlich vom Lockdown betroffen. Der Laden dicht, alle Shows und Zauberkurse von heute auf morgen abgesagt. Keiner wusste damals wie lange es dauern würde, oder ob es irgendeine Form von Hilfe geben wird. 

So wie alle anderen saß ich also zuhause und überlegte, was ich sinnvolles mit der Zeit anstellen kann. Immerhin hatte ich auch mal ein Leben vor dem Zaubergeschäft ;-). Und irgendwo in meinen Unterlagen lag auch noch mein Krankenpflegediplom. Ein Job, mit dem ich eigentlich seit über sieben Jahren nichts mehr zu tun hatte. Aber manche Dinge sind halt wie Fahrradfahren, man verlernt sie nicht. 

Wie in den Medien zu hören und lesen war, war und ist die Pflege gerade besonders gefordert. Somit habe ich mich dazu entschlossen, mich bei der Zivildienstagentur zu melden. Und schon bald darauf wurde ich vom Roten Kreuz dem Pflegezentrum Neunkirchen zugeteilt. Für mich, der viele Jahre auf geriatrischen Stationen verbracht hat, wie eine kleine Reise in die Vergangenheit.

Hatte ich bis dahin die Anfangszeit des Lockdowns zwar in ziemlicher Unsicherheit über die Zukunft, aber letztendlich doch recht gemütlich zuhause verbracht, stand ich nun vor einer spannenden, aber gleichzeitig auch sehr fordernden Aufgabe. Geht es in der Welt da draußen oft um “Ängste” wie um das Tragen von Masken beim Einkaufen geht es in solch Einrichtungen wirklich um was. Wie man erst im Juni in Wien-Liesing mitverfolgen konnte, kann es viele Tote bedeuten, findet der Virus erstmal seinen Weg in eine Einrichtung in der vor allem Menschen leben, die zur Risikogruppe gehören. 

Dementsprechend waren auch die Sicherheitsvorschriften. Vorschriften, die nicht nur einen erheblichen Mehraufwand  für die Pflegekräfte bedeuteten, sondern leider auch die Lebensqualität der Bewohner deutlich senkten. Kein Besucher durfte rein, möglichst auch kein Bewohner raus. Selbst im Haus wurde Abstand gehalten, auch zwischen den Bewohnern soweit wie möglich. Die Kommunikation zwischen Pflegepersonen und schwerhörigen, oder auch demenzkranken Bewohnern durch Masken nochmals stark eingeschränkt. Dazu kamen Quarantänezimmer für alle Verdachtsfälle, die ohne zusätzliche Schutzkleidung nicht betreten werden durften. Kurz, der gesamte Covid19-Leitfaden umfasste eine dicke Mappe und alle paar Tage kamen neue Punkte dazu. 

Überraschend war dann die plötzliche Wende Mitte April. Unter gewissen Auflagen durften Geschäfte wie die Trickbox plötzlich wieder öffnen. Somit habe ich beschlossen, dies zumindest für drei Stunden die Woche zu nutzen und neben dem Zivildienst jeden Dienstag von 13:00 Uhr bis 19:00 Uhr wieder Kunden im Geschäft zu empfangen. Nachdem vor allem die zu den bisherigen Öffnungszeiten zusätzliche Stunde bis 19:00 Uhr von einigen genutzt wurde, ist dies in unsere neue Öffnungszeiten nun mit eingeflossen :-). 

Mit gemischten Gefühlen habe ich meinen Dienst Ende Juni beendet. Einerseits, da die Situation in den Pflegeheimen zwar auch wieder besser, aber noch lange nicht normal ist. Auch hier gab es Lockerungen. Angehörige dürfen mit Maske wieder zu besuch kommen. Bewohner können auch mal wieder draußen spazieren gehen. Viele Maßnahmen sind aber noch in Kraft. In meinen letzten Tagen konnte ich noch einmal miterleben, wie schnell eine Bewohnerin zum Verdachtsfall werden kann, wenn zum Beisiel der Sohn positiv getestet wird, der einige Tage zuvor auf Besuch war. Sofort wird hier wieder ein Quarantänezimmer aktiviert und die Dame isoliert. Keine einfache Situation für Pflegepersonal und auch die demenzkranke Bewohnerin, der es nicht möglich ist die Situation zu verstehen. Zum Glück gab es schon nach zwei Tagen einen negativen Test von ihr und somit Entwarnung. Was allerdings spürbar bleibt ist die angespannte Situation.

Langsam wurde am Ende aus mir wieder der Zauberer. Ausgerüstet mit Modellierballons und einigen kleinen magischen Kunststücken konnte ich am Ende auch noch bei einem Grillfest für ein wenig Unterhaltung sorgen. Mit Gesichtsschild versteht sich ;-). Für alle Kollegen, die noch am überlegen sind ob das denn möglich ist, die kann ich beruhigen. Ja, es geht und schon nach wenigen Minuten denkt man nicht mehr daran. Ein junges Zitat von Mathieu von Rohr abgewandelt würde ich es kurz so zusammenfassen…

Nicht Masken schränken unsere Möglichkeit zu zaubern ein, sondern ein Virus. Bis es dagegen ein Mittel gibt helfen uns Masken unsere Kunst weiter ausführen zu dürfen. Probiert es einfach mal aus! 🙂

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